Spielstand 400:9 in der Karenz - Aktionen zum Vatertag

Der Dachverband Männer-, Burschen- und Väterarbeit Österreich (DMÖ) macht zum Vatertag auf den Umstand aufmerksam, dass Frauen im Durchschnitt 400 Tage in Karenz sind, Männer hingegen nur neun Tage.

Daher richtet der DMÖ fünf Forderungen an die Politik:

  1. Bestärkung von Anfang an: Geburtsvorbereitung für Väter
  2. Halbe-Halbe: Ein Karenzsystem, das Partnerschaftlichkeit ermöglicht
  3. Arbeitswelten neu denken: Vereinbarkeit auch für Väter
  4. Kinderbetreuung ausbauen - Chancengleichheit und Gleichstellung stärken
  5. Sichtbarmachung durch Forschung: Ein regelmäßiger Väterbericht

Im Zentrum steht der Wunsch von Vätern nach aktiver Fürsorgearbeit – und der dringende Appell an die Politik, die dafür notwendigen Rahmenbedingungen zu schaffen.  
 

Frauen sind im Durchschnitt 400 Tage in Karenz, Männer lediglich neun

95% der befragten Männer sagen, dass es ihnen wichtig ist, sich Zeit für ihr Kind zu nehmen, 71% wollen den Beruf in der Zeit nach der Geburt ihres Kindes zurückstellen - Väter wollen sich Zeit für ihr Kind nehmen, das sagt eine Studie des Familienbunds aus 2018. Dieser Trend ist ungebrochen, doch: Die Rahmenbedingungen dafür stimmen nicht. Zeit, dass sich etwas ändert, findet der Dachverband Männer-, Burschen- und Väterarbeit Österreich (DMÖ) und stellt fünf konkrete Forderungen auf.


Die fünf Forderungen für mehr Partnerschaftlichkeit im Detail:

  1. Bestärkung von Anfang an: Geburtsvorbereitung für Väter 

Die Phase rund um die Geburt ist ein sensibles Zeitfenster. Viele werdende Väter wünschen sich Orientierung, da oft eigene, gelebte Vorbilder für aktive Vaterschaft in der eigenen Biografie fehlen. Der DMÖ fordert daher österreichweit niederschwellige, kostenlose und speziell auf Männer ausgerichtete Angebote an Geburtskliniken. Es geht darum, Väter frühzeitig in ihrer Kompetenz zu stärken und sie als gleichwertige Bezugspersonen im Familiengefüge willkommen zu heißen.

  1. Halbe-Halbe: Ein Karenzsystem, das Partnerschaftlichkeit ermöglicht

Das aktuelle System setzt finanzielle Fehlanreize und drängt Paare oft ungewollt in traditionelle Rollen zurück. Der DMÖ fordert ein faires Halbe-Halbe-Karenzmodell, das einkommensabhängig gestaffelt ist, klare „Use it or lose it“-Phasen für beide Elternteile beinhaltet und Väter wirksam vor Benachteiligungen im Beruf schützt. Nur so wird Elternzeit für Väter zu einer echten, angstfreien Option.

Die GEQ-AT-Studie macht deutlich, dass ökonomische Gleichstellung und partnerschaftliche Entscheidungsprozesse zentrale Voraussetzungen für eine gerechte Verteilung von Care-Arbeit sind. Wo Einkommen, Entscheidungsmacht und Sorgeverantwortung ausgewogener verteilt sind, gelingt auch die partnerschaftliche Aufteilung des Familienalltags deutlich besser. Reformen im Karenzsystem sind daher nicht nur eine familienpolitische, sondern auch eine gleichstellungs- und gewaltpräventive Maßnahme.

  1. Arbeitswelten neu denken: Vereinbarkeit auch für Väter

Umfragen unter jungen Männern zeigen, dass eine reduzierte Wochenarbeitszeit (z.B. 30 Stunden) in der Kleinkindphase ein großer Wunsch ist, um Familie und Beruf besser zu vereinbaren. Unternehmen müssen diesen Kulturwandel mittragen. Gefordert sind gesetzliche Optionen zur Arbeitszeitflexibilisierung für Väter, betriebliche Väterkarenz-Konzepte und ein konsequenter Diskriminierungsschutz, damit Care-Arbeit für Männer kein Karrierehindernis darstellt.

Die GEQ-AT-Ergebnisse zeigen zudem, dass Männer sich insbesondere dann stärker an Care-Arbeit beteiligen, wenn Erwerbsarbeitszeiten reduziert und betriebliche Rahmenbedingungen entsprechend gestaltet werden. Gleichzeitig bleiben traditionelle Ernährermodelle ein wesentlicher Treiber ungleicher Arbeitsteilung. Eine gleichstellungsorientiert Arbeitsmarktpolitik muss deshalb aktive Vaterschaft ausdrücklich unterstützen und absichern.

  1. Kinderbetreuung ausbauen - Chancengleichheit und Gleichstellung stärken

Wir fordern den flächendeckenden Ausbau qualitativ hochwertiger, leistbarer und vollzeitkompatibler Kinderbetreuung in ganz Österreich. Ausreichende und verlässliche Betreuungsangebote sind eine zentrale Voraussetzung für die Verringerung des Gender Pay Gaps, die gleichberechtigte Verteilung von Sorgearbeit sowie die Stärkung von Familien und aktiver Vaterschaft. Gleichzeitig schaffen sie wichtige Bildungs-, Entwicklungs- und Teilhabechancen für Kinder von Beginn an. Kinderbetreuung muss daher als zentrale gleichstellungs-, bildungs- und gesellschaftspolitische Infrastruktur nachhaltig ausgebaut und finanziert werden.

  1. Sichtbarmachung durch Forschung: Ein regelmäßiger Väterbericht

Um den Bedürfnissen von Vätern in all ihrer Vielfalt gerecht zu werden, braucht es eine fundierte Datenbasis. Der DMÖ fordert eine regelmäßige, repräsentative Väterstudie sowie einen offiziellen Väterbericht. Dabei müssen die unterschiedlichen Lebensrealitäten, sozialen Hintergründe und Herkunftsmilieus von Vätern sensibel beleuchtet werden, um zielgerichtete Unterstützung zu ermöglichen.

Der Wunsch ist da, die Realität bremst

Das aktuelle Geburtenbarometer der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) zeigt mit einer Geburtenrate von 1,3 Kindern pro Frau einen historischen Tiefstand für das Jahr 2025. Der Grund dafür ist jedoch kein mangelnder Kinderwunsch bei Männern oder Frauen – sondern das Fehlen verlässlicher, moderner Rahmenbedingungen. Die Wissenschaft belegt eindrücklich, dass junge Männer heute bereit für den Wandel sind und dass eine aktive väterliche Fürsorge die Entwicklung von Kindern nachhaltig stärkt. Jetzt liegt es an den gesellschaftlichen Strukturen, diesen positiven Wandel endlich zu unterstützen, statt ihn zu blockieren.

„Väter von heute wollen keine Statisten mehr sein, sondern aktive Gestalter im Leben ihrer Kinder. Geben wir ihnen endlich die Möglichkeit dazu.“ – Hubert Steger, DMÖ

Die österreichweite repräsentative GEQ-AT-Studie mit 2.295 Befragten zeigt, dass Kinder besonders von fürsorglichen und gleichberechtigt engagierten Vätern profitieren. In Familien, in denen Entscheidungen partnerschaftlich getroffen werden, berichten nur 20,5 Prozent der Befragten von Gewalterfahrungen in der Familie. Dort, wo der Vater allein „das letzte Wort“ hatte, steigt dieser Anteil auf 35,5 Prozent. Das bedeutet: Kinder erleben in gleichberechtigten Familien seltener Gewalt. Die Ergebnisse machen deutlich, dass aktive Vaterschaft weit mehr ist als ein individuelles Familienmodell. „Wenn Väter Fürsorgeverantwortung übernehmen, Care-Arbeit teilen und Entscheidungen gemeinsam mit ihren Partnerinnen treffen, profitieren Kinder unmittelbar. Geschlechtergerechtigkeit ist daher auch Kinderschutz und Gewaltprävention“ sagt Studienleiterin und DMÖ-Vorstandmitglied Elli Scambor.

Datum

DMÖ - Dachverband für Männer-, Burschen-, und Väterarbeit in Österreich

Engagierte in Allianz für Geschlechtervielfalt und soziale Gerechtigkeit.

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