DMÖ Grafik Arbeit

Lebensqualität statt Leistungszwang:

Der DMÖ engagiert sich für die faire Verteilung von Arbeit, Ressourcen und Verantwortung.


Mehr Männer in Betreuung, Gesundheit und Pädagogik:

Der DMÖ baut Burschen und Männern Brücken in den Arbeitsmarkt der Zukunft.


Vielfalt in der Arbeitswelt, Flexibilität in der Arbeitsorganisation:

Der DMÖ engagiert sich für Arbeitsmodelle, die Männer auch als Väter und betreuende Angehörige ernst nehmen.


Nicht alle Männer sind privilegiert:

Der DMÖ gibt jenen Burschen und Männern eine Stimme, die in Niedriglohnbranchen oder prekären Arbeitsverhältnissen tätig sind.

Arbeit ist ein zentrales Thema für alle Menschen. Traditionelle Bilder und Modelle von Männlichkeit rücken die Erwerbsarbeit bei Männern in den Mittelpunkt und vernachlässigen die Bereiche von alltäglich-häuslichen, pflegenden oder versorgenden Tätigkeiten. Für Männer werden Maßstäbe angelegt, bei denen die Erwerbsorientierung die wichtigste Rolle spielen soll. Männer, die diesen Maßstäben entsprechen, profitieren von besseren Aufstiegschancen, mehr Zutrauen in ihre Leistungen, Jobangeboten mit besserer Entlohnung usw. Unbezahltes und ehrenamtliches Engagement von Männern findet dementsprechend auch häufiger in Bereichen statt, die berufliche Netzwerke positiv beeinflussen oder einen Zugewinn an Status versprechen. In Anlehnung an die „gläserne Decke“, die sich auf die eingeschränkten Karrierechancen von Frauen bezieht, könnte man hier von einer „gläsernen Rolltreppe“ sprechen, auf der jene Männer leichter in höhere Positionen kommen, die den Erwartungen einer Management Masculinity entsprechen. Daraus resultiert jedoch auch die Gefahr einseitiger Lebensentwürfe, in denen kaum Platz für väterliche, freundschaftliche oder familiäre Seiten ist. Auch die Eigenwelt kommt zu kurz. Die sogenannte „Work-Life“ Balance gerät aus dem Gleichgewicht.

Wenn Männer die Erwerbsarbeit zum Mittelpunkt ihres Lebens machen und darauf ihr Selbstwertgefühl und Identität bauen, sind sie umso unmittelbarer von allen Belastungen am Arbeitsplatz betroffen. So geben viele Männer auch an, dass Zeitdruck, unkollegialer Umgang oder Konflikte mit Führungskräften äußerst belastend sind. Da in traditionellen Männerbildern die Aufforderung steckt, auch in der Arbeit stets „alles im Griff“ zu haben, werden solche Belastungen kurzfristig überspielt. Langfristig können aber sowohl die körperliche wie auch die psychische Gesundheit massiv in Mitleidenschaft gezogen sein. Riskanter Alkoholkonsum als vermeintlicher „Stresskiller“ oder auch ein Burnout können Folgen sein.

Darüber hinaus sind Lebensentwürfe, die den Mann als „Familienernährer“ sehen, angesichts von tiefgreifenden Umformungen in der Arbeitswelt besonders von Veränderung betroffen. Wenn Soziolog_innen vom „Ende der Arbeitsgesellschaft“ schreiben, so bedeutet dies konkret, dass für große Teile der Bevölkerung immer weniger Arbeitsplätze zur Verfügung stehen, die Arbeitsmodelle unsicherer und Berufsbiographien brüchiger werden usw. Für Männer bergen diese Entwicklungen ein größeres Risiko für Phasen der Arbeitslosigkeit und damit verbundene finanzielle Einschränkungen bis hin zu Verlust von Wohnraum oder sozialen Beziehungen. Viele Männer schlittern dann in massive persönliche und soziale Krisen.

Es ist wichtig, die unterschiedlichen Betroffenheiten von Männern wahrzunehmen und zu beachten. Einem älteren Industriearbeiter, der um seinen Arbeitsplatz fürchtet, steht möglicherweise ein jüngerer Unternehmensberater gegenüber, dessen Auftrag es ist, Firmen durch Einsparungen „fit für den Wettbewerb“ zu machen. Aus einer kritischen Perspektive stellt sich immer die Frage, inwiefern in den Lösungsversuchen für problematische Lebenssituationen hegemonial männliche Strategien benutzt werden, die den Einzelnen zwar im Wettbewerb mit anderen an die Spitze bringen sollen, so aber auch die eigenen Existenzbedingungen verschärfen, indem sie eben jene Druck erzeugenden gesellschaftlichen Kräfte bestätigen und bestärken. Fremd- und Selbstausbeutung sind in der Regel zwei Seiten der gleichen Medaille.

Wofür setzt sich der DMÖ ein?

Im Sinne von geschlechtergerechten Verhältnissen braucht es mehr Chancengleichheit am Arbeitsmarkt, um auch Frauen Zugänge und gleiche Chancen auf gut bezahlte Jobs, gute Aufstiegschancen usw. verschaffen. Davon profitieren auch Männer auf vielfältige Art und Weise: Sie können so einen Weg aus der Ernährerfalle finden, die Vereinbarkeit von Privat- und Berufsleben balancierter gestalten, den Kindern ein Rollenmodell sein, der Familie eine grössere wirtschaftliche Stabilität ermöglichen etc.

Im Sinne der Vereinbarkeit von Erwerbsarbeit und Familie/Vaterschaft braucht es gut geregelte gesetzliche Möglichkeiten für Väterauszeiten, Teilzeitarbeit auch in der Führungsebene usw., um möglichst vielen Männern die Chance zur Verbesserung ihrer Work-Life-Balance zu geben. Es geht aber auch darum, ein Bewusstsein in Unternehmen dafür zu schaffen, dass eine Elternkarenz neben vielen anderen, durchaus auch betriebswirtschaftlich positiven Faktoren auch eine soziale Qualifikation der Männer bedeutet.

Initiativen zur Arbeitszeitverkürzung, insbesondere für Männer und insbesondere in Branchen, in denen entgrenzte Voll-, Mehr- und Überstundenkulturen die Work-Life-Balance erschweren, sind wichtige Schritte in Richtung Geschlechtergerechtigkeit. Die Erfahrungen von Change Actors und Zeitpionieren, die bspw. aktiv an Kinderbetreuung partizipieren, sollten dabei Berücksichtigung finden.

Darüber hinaus muss die Anerkennung der vielfältigen Positionen von Männern zu arbeitsbezogenen Themen gestärkt werden; insbesondere muss dabei auch sozial benachteiligten Männern eine Stimme gegeben werden. Es braucht Förderungen von Lebenschancen und Perspektiven für ansonsten möglicherweise ausgegrenzte Männer (am Rand), sowie spezielle Interventionen für sozial benachteiligte Männer (z.B. langzeitarbeitslose Burschen mit niedrigen Bildungsabschlüssen; Männer in Niedriglohnbranchen und prekären Arbeitsverhältnissen). Der DMÖ setzt sich für spezifische Programme ein, die Männer im deregulierten Arbeitsmarkt und/oder prekären Arbeitsverhältnissen in der beruflichen und sozialen Integration stützen.